Heute analysiere ich einen von mir spontan “Mitleidsblabla-Fake” getauften Fake:
Als Single-Frau habe ich alle Freiheiten, die ich mir nur wünschen kann:
Ich muss niemandem Rechenschaft über irgend etwas ablegen. Ich kann tun und
lassen wie und wann und was ich will. Am Wochenende kann ich auch einfach
mal faul im Bett liegen bleiben. Ich muss mich nicht über irgendwelche
Unzulänglichkeiten eines Partners ärgern und keine Kompromisse schliessen.
Ich muss nur meine eigene Wäsche waschen und nicht dauernd die Socken des
Partners in der ganzen Wohnung einsammeln. Ich muss mich mit niemandem
streiten, weil ich ein romantische Komödie schauen will, obwohl doch gerade
ein Fussballspiel übertragen wird…
Also bis hierhin ist ja alles klar. Das Singledasein ist das beste was man sich wünschen kann oder nicht? Alles auch noch mit Beispielen schön belegt.
Das Fazit meiner (natürlich liierten!) Freundinnen: Du hast es ja sooooo
gut!
Dabei vergessen sie ganz gerne, welchen Preis man als Single für seine
Freiheit bezahlt: Jeden morgen frühstückt man alleine. Es ist niemand da,
der einen aufmuntert, wenn man gerade einen Blues hat. Am Wochenende steht
die Welt still, weil alle Nicht-Singles diese Zeit mit ihrem Partner (und
Familie) verbringen. In den Urlaub fährt man alleine oder als Alternative
eben gar nicht. Jeden Abend geht man alleine ins Bett (zumindest in der
Regel!)
Jetzt wird bereits stark auf die Tränendrüse gedrückt und die Selbstidentifikation mit dieser “virtuellen” Person funktioniert noch ganz gut.
… und auswärts essen geht man überhaupt nicht mehr, weil es
einfach peinlich ist, als attraktive Frau abends alleine in ein Restaurant
zu gehe. Denn eine solche Unternehmung läuft stets nach einem ähnlichen
Muster ab: Der Kellner kommt und fragt, ob man schon einen Aperitif
bestellen will, während man wartet. Wenn man dann sage, dass man auf
niemanden warte und gleich das Menü bestellen möchte, kann man in seinem
Gesicht genau sehen, was er denkt (auch wenn er seinen Gesichtsausdruck
Sekunden später wieder professionell unter Kontrolle hat!): “Warum hat die
denn keinen Mann?”
Nun wirds richtig heftig. Eine arme attraktive Frau, die abends alleine ins Restaurant essen gehen muss und dann auch noch vom Kellner einen mitleidigen Blick erntet… wahrscheinlich wartet er nur darauf, dass er sie nach Feierabend mit nach Hause nehmen darf. Da fühlt man(n) sich doch angespornt als erster die brachliegende Perle abzugreifen!
http://*zensiert*
http://*zensiert*
Ok. Also nur ein Fake.
Ja, warum eigentlich?! Diese Frage stelle ich mir auch immer wieder einmal,
denn auch wenn meine liierten Freundinnen das nicht verstehen wollen: Ich
wünsche mir einen Mann in meinem Leben (den ich vermissen kann, wenn er
nicht da ist und den ich zum Teufel wünsche, wenn er da ist und mal wieder
nervt.) Ich wünsche mir einen Partner an meiner Seite, mit dem ich mich
heftig streiten kann, um sich dann zärtlich zu versöhnen. Einen Mann, der
provozierend fragt: “Hast du gerade deine Tage oder warum heulst du so
herum?” der mich dann aber doch tröstend in die Arme nimmt. Ich wünsche
mir einen Liebsten, der mir nachts die Bettdecke wegzieht und der
gelegentlich schnarcht; der immer mal wieder meine Zahnbürste benutzt,
obwohl ich ihm schon x-mal gesagt habe, dass ich das nicht ausstehen kann
und der sich beschwert, weil ich mal wieder shoppen war, obwohl mein
Kleiderschrank schon aus allen Nähten platzt und mir dann doch ein
Kompliment für das neue Kleid macht…
Diese Frau erfüllt also nebenbei auch noch alle Klischees und erlaubt den Männern ebenfalls selbiges. Toll oder?
Kurz, ich wünsche mir einfach einen Mann mit allen Ecken und Kanten.
Fazit: Erkennbar wird der Fake wiederum ganz einfach durch die Doppelurls, mehr muss man eigentlich nicht durchlesen. Vor allem wenn man soviel zu lesen hat, grenzt es ganz stark an Zeitverschwendung. Davon abgesehen macht es keinen Sinn einer völlig unbekannten Person sein Leid zu klagen, denn auf die Mitleidstour gründen sich seltenst fruchtbare Beziehungen eher die furchtbaren. Eine Frau die meinen Geldbeutel belastet und dafür einen plumpen “Durchschnittsmann” akzepiert kann die Mühe nicht wert sein.